Persönlichkeitsbildung (Teil 1)

 

„Ich will mein Leben selbst in die Hand nehmen! Alle Möglichkeiten nutzen und das Beste daraus für mich gestalten und nutzen!“, diese Faktoren stützen die Persönlichkeitsentwicklung eines jeden jungen Menschen und fördern die Bildung seiner eigenständigen Persönlichkeit.

Sie bedeutet aber auch, die Verantwortung innerhalb gesellschaftlicher Gruppen zu erlernen. Schon in den ersten Jahren der frühkindlichen Entwicklung werden die Grundlagen für eine stabile und starke Persönlichkeit festgelegt. Persönlichkeitsbildung findet aber natürlich auch bis ins hohe Alter statt. Gerade der Aspekt des voneinander Lernens und gemeinsamen Tuns innerhalb der Generationen stärkt die soziale Kompetenz und hilft die eigene Persönlichkeit immer wieder neu zu überprüfen und weiterzuentwickeln. In unseren unterschiedlichen Lebensphasen hat die Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit  und deren  Bildung eine sehr große Bedeutung. Nur so können wir Blockaden unseres eigenen Wachstums wahrnehmen und überprüfen. Persönlichkeitsbildung findet im Kontext von Familie, kleinen und großen Gruppen, aber auch im Einzelnen statt.

Unsere Gesellschaft prägt die Entwicklung der Persönlichkeit

Das ganze Leben werden wir durch Personen und Institutionen oder Gruppen in unserer Persönlichkeit herausgefordert und gebildet. Viele pädagogische Fachkräfte und Einrichtungen geben hierbei Eltern, Kindern und Jugendlichen Unterstützung und stehen mit fachlichem und persönlichem Rat zur Verfügung. Zahlreiche städtische Angebote, sowie Angebote der öffentlichen Träger helfen die eigene Entwicklung voranzutreiben, zu qualifizieren aber auch zu überprüfen.

Bei all diesen Angeboten ist der Bereich der Selbsterfahrung ein sehr wichtiger Bestandteil. Selbstwahrnehmung mit all seinen Sinnen als eigenständige Persönlichkeit in einer Gruppe ist bis ins hohe Alter ein immerwährender Prozess, den es weiter zu entwickeln gilt. Kooperationsprojekte  zwischen alt und jung, behindert und nicht behindert, mit und ohne Migrationshintergrund  helfen stetig den eigenen Standpunkt zu überprüfen. Voneinander Lernen bis ins hohe Alter, von der frühkindlichen Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit, bis hin zur Öffnung des eigenen Standpunktes der Persönlichkeit, steht direkt in Bezug zur eigenen sozialen Kompetenz. Solche Lernprozesse können gerade in der Gruppe und im Gespräch benannt und gefunden werden. Ob im Sportverein, der Kinder- und Jugendgruppe, bei professionellen pädagogischen Angeboten der Einrichtungen oder Kindergarten, Hort und Schule, genau hier findet sich die Ausbildung des eigenen Menschenbildes. Hier lernen vor allem Kinder und Jugendliche sich offen zu halten für Neues und ihre Standpunkte immer neu zu hinterfragen und zu justieren. Selbstwahrnehmung und  -einschätzung aber auch die Überprüfung der schon erlernten und gewohnten Kompetenz sind gerade in der Auseinandersetzung in der Gruppe unerlässlich.

 Chancen nutzen

Auf Grund unterschiedlicher äußerer und innerer Faktoren, beschäftigen sich Kinder und Jugendliche immer mehr nur mit sich selbst und vereinsamen zusehends. Soziales Gefüge, das Erlebnis in der Gruppe, das gemeinsame Essen die gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung tritt in unserer Gesellschaft immer mehr in den Hintergrund. Wer sich in seiner Persönlichkeit finden soll, benötigt aber emotionale Bindungen zu Anderen. Ein Stillstand bedeutet eben auch, um so schmerzhafter, keine Chancen für sich zu nutzen. Viele Einrichtungen und Angebote helfen hierbei, den Menschen und die Persönlichkeit in mir zu finden und eine Lebensperspektive zu entwickeln. Eine feste Regelmäßigkeit in einer Gruppe, sei es in Sport oder Kultur helfen im Umgang miteinander und mit sich selbst. Seinen eigenen Weg formulieren lernen und in der Gemeinschaft eine Stärkung zu  erfahren ist für die Persönlichkeitsbildung unbedingt erforderlich. So gilt es nur an jeden zu appellieren, sich innerhalb unserer Stadt soziale Gruppen zu suchen, um dort Erfahrungen zu sammeln und seine Persönlichkeit in der Gemeinschaft zu erfahren. Ob Jugendgruppe, Jugendzentren, künstlerisches und musisches Angebot, ob Sport, Stadtteiltreff oder Interessensgemeinschaft die Angebote sind in Kaufbeuren so vielfältiger Natur, dass sich jeder nach seinen Wünschen und Interessen seine Gruppen heraussuchen kann. Um sich im Dickicht der vielfältigen Angebote orientieren zu können, gibt es zahlreiche Broschüren. Damit jeder seine Chance nutzen kann,  muss es in unserer Stadt eine Chancengleichheit geben, die jedem Kind und Jugendlichen ermöglicht, seine Erfahrungen zu sammeln und Angebote zu nutzen. Durch den Ausbau der  Angebote der Ganztagsklassen, Mittagsbetreuung, der Förderung durch städtische und offene Träger und letztendlich der Unterstützung des Ehrenamtesversucht die Stadt dem „sozialen Ungleichgewicht“ zu begegnen.

Sicherheit und Stärkung

Eine effektive und stabile Persönlichkeitsbildung kann nur dann stattfinden, wenn sie durch vertrauensvolle Partnerinnen und Partner gestützt wird. Eine gewisse persönliche Stärkung erfährt man nur, wenn man sich in seiner Familie akzeptiert und angenommen fühlt. Bezugspersonen stärken das Vertrauen und helfen Perspektiven aufzubauen. Ein so genanntes Urvertrauen kann nur entstehen, wenn es von gegenseitiger Achtung und Verlässlichkeit geprägt ist. Diese festen Bindungs- und Beziehungspartner stärken das Selbstwertgefühl wenn sie als stabil und vertrauensvoll erfahren werden. Persönlichkeit bildet sich aus der Stärkung des Selbstwertgefühls und gegenseitiger Akzeptanz. „Hier werde ich akzeptiert! Hier darf ich Fehler machen!“ Persönlichkeitsbildung bedeutet also immer auch eine sehr starke emotionale Bildung. Hierbei sind gruppendynamische Prozesse genauso wichtig, wie die Chance zur Selbstreflexion im geschützten Rahmen. Der so genannte „angstfreie Raum“ schafft gerade für Kinder und Jugendliche die Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Persönlichkeitsstruktur. Familien haben auch hier eine große Verantwortung für emotionales Lernen. Professionelle Unterstützung von Familien, Angebote in Gruppen und Weiterbildung können hier unterstützen und helfen.

Aus kleinen, zarten Persönchen können so langsam starke selbstbewusste, aber auch kritische und konstruktive Persönlichkeiten heranwachsen, die in unserer Gesellschaft Verantwortung und Aufgaben übernehmen. Gerade in ihre Entwicklung sollten wir investieren, denn durch solche Persönlichkeiten definiert sich unsere Gesellschaft.

Auf der Bühne des Theaters, beim Spielen eines Instruments, hinter dem Volleyballnetz, an der Kletterwand, vor der Staffelei, im Lesekreis, vor der Schulklasse, beim Hüttenbau auf der Stadtranderholung, im Zeltlager etc. können die Stärken eines jeden Einzelnen sichtbar gemacht werden. Innerhalb dieser geschützten Gruppen lassen sich diese Stärken finden und ausbauen. Diese Erfahrungen sind eine gute Vorbereitung für gesellschaftliche Anforderungen, stärken den jungen wie auch den älteren Menschen immer wieder aufs Neue in seinen Schlüsselkompetenzen. Seine positive  Kraft, im Allgemeinen,  kann so gestärkt werden. Sie dient im gesamten Leben als Speicher für  Lebensenergie und bietet ein psychisches Fundament. Sie stärkt die Widerstandskraft des Menschen und schafft Sicherheit. Positives in einer Persönlichkeit zu verstärken, auf die Stärken eines jeden Einzelnen zu setzen und nicht auf seine Schwächen, sind ein wichtiger Teil unseres Bildungsauftrags.

Fortsetzung  folgt…  (Thomas)