Persönlichkeitsbildung (Teil 2)

Kompetenz als Schlüssel

Nachdem Bindung und Beziehung das feste Fundament für eine Persönlichkeit darstellen, müssen im Laufe eines Lebens die nötigen Kompetenzen aufgebaut werden. Neben einer soliden Schul- und Berufsausbildung benötigt der Mensch Fähigkeiten, die  neben Bildung und Wissen gleichzustellen sind. Diese Fähigkeiten helfen ihm sich und seine Gesellschaft mitzugestalten und zu prägen. Sie sind der Schlüssel zu einer selbstbestimmten individuellen Persönlichkeit mit ihrer ganz bestimmten Ausrichtung und Überzeugung. Diese Kompetenzen werden für unsere Gesellschaft immer wichtiger, denn sie haben direkt Einfluss auf unseren beruflichen und persönlichen Erfolg. Im sozialen Miteinander und auch im Leben in der Gemeinschaft und der Familie. Man kann diese Kompetenzen nicht nur in der Ausbildung oder der Schule erwerben sondern im direkten Kontext und Austausch in einer Gruppe oder innerhalb  eines Projektes. Diese Kompetenzen werden immer freiwillig und äußerst individuell erlernt. Den Boden für diese Persönlichkeitsbildung bietet vor allem Kinder- und Jugendarbeit, die Motivation sich auf die Ausbildung der eigenen Kompetenzen einzulassen, meistens ein attraktives Projekt, ein Impuls und die freie  individuelle Entscheidung des Kindes oder Jugendlichen selbst. Jeder findet in seinen Kompetenzen die Sicherheit seiner eigenen Wahrnehmungsfähigkeit, seinen eigenen  Mut, Dinge im Leben anzupacken und das nötige Selbstvertrauen, sich mit seiner ganzen Persönlichkeit einzumischen.

Schlüsselkompetenzen sind hierbei vor allem Sprache und die Fähigkeit sich ausdrücken zu können und werden in drei Bereichen dargestellt:  Sie werden in Selbstkompetenzen (zum Beispiel: Reflexionsfähigkeit, Mut, Souveränität oder Selbstbewusstsein) und Sozialkompetenzen (zum Beispiel: Teamfähigkeit, Toleranz, Verantwortungsbewusstsein oder auch Integrationsfähigkeit) und in Methodenkompetenzen (zum Beispiel: Kulturtechniken, Wissen, Erfahrung, Kreativität und Fantasie) eingeteilt. Diese Schlüsselkompetenzen machen die Stärken eines Jeden sichtbar und helfen in jedem Menschen neue Dinge anzustoßen und  in seiner Persönlichkeitsentwicklung zu bewegen.

Persönlichkeitsbildung als Weg zu sich selbst

Wer seine Persönlichkeit entdeckt und  entwickelt befindet sich ständig auf der Suche. Gerade Kinder und Jugendliche müssen ständig motiviert und ermutigt werden, ihre eigene Persönlichkeit anzunehmen und zu akzeptieren. Nur dann sind sie befähigt, sich weiter zu entwickeln und ihre Persönlichkeitsstruktur zu erfassen und aus zu bauen. Sich immer wieder neu mit  Aufgaben und Herausforderungen zu konfrontieren, bedeutet Stärkung der eigenen Kompetenz. Dabei immer flexibel sein zu müssen, stärkt die Persönlichkeit ungemein. Spaß  zu haben, sich immer weiterzuentwickeln, sich zu erforschen und zu reflektieren muss gerade Aufgabe der Kinder und Jugendarbeit sein. Dieser wichtige Aspekt darf aber in der Erwachsenenbildung auch auf keinen Fall zu kurz kommen. Viele Spiel-  und Aktionsformate helfen uns auf experimentelle  Art, spielerisch und gefahrenfrei, uns mit uns selbst auseinandersetzen zu erleben und zu reflektieren. Gerade das Spiel mit Partnern hilft uns den „Ernstfall“ zu üben, unsere Persönlichkeit zu schulen und vorzubereiten. So lernt jeder im Schutzraum einer Gruppe sich selbst und andere in seiner und ihrer Persönlichkeit anzunehmen und zu akzeptieren

Theaterpädagogik  als Beispiel einer ganzheitlichen  Form der Persönlichkeitsbildung

„Das Selbstbewusstsein, das wächst bei mir beim Theaterspielen(…) vor hunderten von Leuten da zu stehen, erfordert Mut.“

 

Was hat Theater mit Persönlichkeitsbildung zu tun?

Theater mit und für  Kinder und Jugendliche  bedeutet immer auch soziale Arbeit. Das gemeinsame Entwickeln einer Idee, einer Intension lässt Menschen unter einem gemeinsamen  Ziel,  Erfahrungen sammeln und treibt sie an, sich in ihrem eigenen Tun und Handeln zu überprüfen. Dieses Ziel: Theater, eine Aufführung, eine Theaterrolle, eine Choreographie, ein Lied ,der Entwurf eines Bühnenbildes oder einfach nur ein selbstgeschriebener Text treibt den Menschen voran, gibt ihm die Kraft und die Energie sich mit seinen Partnerinnen und Partnern innerhalb seiner Gruppe auseinanderzusetzen, ihm zuzuhören, sich zu reflektieren, über den Schatten zu springen, Vorurteile abzubauen und eben seine Kompetenzen zu entwickeln und auszubauen. Theater setzt sich nun einmal unmittelbar mit den Lebensmustern der Menschen auseinander, legt direkt Gefühle  und Beziehungsstrukturen offen. Das Gespielte und Erprobte lässt sich von der Bühne des Theaters in das eigene Leben mit einbeziehen. Auch die spielerische Fähigkeit des  Scheiterns  gehört zu einer wichtigen Schlüsselkompetenz für Kinder und Jugendliche.

Was unterstützt Persönlichkeitsbildung im Theater?

Eine Gruppe mit der gemeinsamen Antriebsfeder eines  Projektes, stellt auch einen geeigneten Schutzraum für die Entwicklung von Kompetenzen dar. In einer gut ausgerichteten  Gruppe können wir sehr positiv  erfahren, dass unsere Stärken auch für den Rest der Gruppe sehr wichtig sind und unbedingt für das gemeinsame  Ziel eingesetzt werden können. Die eigenen Schwächen zu benennen und dabei zu erleben, dass auch Andere mit Schwächen zu kämpfen haben, ist eine wichtige Kompetenz in der theaterpädagogischen Praxis und kann nur in einem vertrauensvollen Umfeld einer gefestigten Gruppe geschehen.

Der professionelle  Rahmen eines Projektes, einer Aufführung, der offizielle  städtische  Raum, die professionelle  technische Ausstattung, die öffentliche  Werbung bilden den Rahmen, der Kinder und Jugendliche  in ihrem Tun unterstützt und Ernst nimmt. Nur wenn Kinder und Jugendliche sich in unserer Stadt mit ihrer Meinung und ihren Bedürfnissen angenommen fühlen, sind sie bereit, ihre gewonnen Schlüsselkompetenzen für unsere Gesellschaft anzubieten, einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch, dass wir ihre Projekte unterstützen und ihnen sehr genau zusehen und zuhören, was sie uns erzählen und zu sagen haben!

Thomas