Ihr solltet mich gerade an meinem Schreibtisch sehen können.

Tausende von Gedanken schwirren mir durch den Kopf. „Was soll ich zu unserem 25. Jubiläum schreiben?"

Viele von Euch haben mir in den letzten Wochen gemailt und gesagt, sie könnten für unser Jubiläumsbuch nichts schreiben, denn die Erlebnisse mit der Kulturwerkstatt seien etwas sehr Persönliches zwischen ihnen und uns. Diese Erinnerungen seien zu intensiv und zu emotional, dass sie sie für sich behalten möchten. Verstehe ich sehr gut.

Umso mehr freue ich mich, dass doch einige von Euch über ihren Schatten gesprungen sind und ganz ehrlich und offen von Ihren Gefühlen und Abenteuern mit uns sprechen, ohne Angst zu haben, in dem Sumpf der Sentimentalität zu versinken.

Beim Lesen der einzelnen Beiträge hatte ich oft ein warmes, kuscheliges Gefühl im Bauch, wenn wir gemeinsam die „Wiese der Erinnerungen!" (was für eine Metapher!) beschritten… Tausendmal Hagspiel… tausendmal Geisterspiel, wieder das prickelige Gefühl vor jeder Premiere, aber auch die Gewissheit, wieder ein paar Kinder und Jugendliche mit einem Rucksack voller Erfahrungen und sozialer Kompetenzen ausgerüstet zu haben… das gute Gefühl, in diesem Haus nie allein sein zu müssen mit schönen aber auch traurigen Erlebnissen… manche von Euch haben geschrieben: „Kulturwerkstatt - wie in einer Familie"… nie allein sein müssen mit neuen Ideen und baulichen wie finanziellen Aufgaben… So viele von Euch haben sich die Jahre an diesem gemeinsamen Ziel und Traum beteiligt, haben mitgekämpft, sich engagiert, hinterfragt, gebaut, geplant, gesammelt, gestaltet, genäht, geräumt, verkauft, gespielt, trainiert, gesungen, getragen… das haben wir uns damals, als wir anfingen mit einem Osterworkshop, nicht träumen lassen! Danke Belli, Traudl, Guggi, Webster und Michi für die gemeinsame Starthilfe…!

Und dann unsere Ideen und kreativen und engagierten Ziele konsequent weiterentwickelt, neue Partner gefunden und hartneckigst gekämpft um eine Position in dieser Stadt, gekämpft für eine Akzeptanz von Kinder- und Jugendkultur.

Wer hätte damals geglaubt, dass sich heute Schulen um Theater- und Kulturprojekte mit der Kulturwerkstatt bewerben. Vor einigen Jahren mussten noch interessierte Lehrerinnen und Lehrer bei ihren Schulleitern um ein Theaterprojekt betteln und kämpfen. Wer hätte jemals vor 25 Jahren geglaubt, dass der Oberbürgermeister dieser Stadt von uns als „LEUCHTTURM" sprechen würde.

 

Dass das heute so möglich ist, liegt einzig und allein daran, dass schon immer Menschen an uns und unsere Ideen geglaubt haben.

Dank an unsere Partnerinnen und Partner… also unsere Ehemänner und Ehefrauen, die uns den Rücken freihalten und uns tragen!

Dank an Frau Zauner und ihre Stiftung und Herrn Kastl, die immer an uns geglaubt haben und sich als fleißige Gärtner in unserem Ideengarten verschrieben haben!

Dank an den Stadtjugendring, der mittlerweile wie eine Löwin auf uns aufpasst.

Danke an all unsere vielen verlässlichen Freunde, die immer für uns da sind!

(Wir haben versucht Euch alle namentlich aufzulisten, hatten, dann aber doch zu große Sorge, einen von Euch zu vergessen!)

 

Erfüllt von all diesen Gedanken werde ich aufgeschreckt. Die Erinnerungen sind schon wieder fast verschwunden und die Realität lässt mich hart aufschlagen:

„Na dann Herr Garmatsch, dann erklären Sie uns doch mal kurz in fünf Minuten, die Kulturwerkstatt" - Ich kann es kaum fassen. Die Dame im rosa Schal vor mir hat ihren Notizblock gezückt und schwingt ihren kleinen spitzen Bleistift wie die Wespe ihren Stachel… „Das kann man nicht in fünf Minuten erklären", erwidere ich ihr.

„Kulturwerkstatt ist viel mehr als nur Kinder- und Jugendgruppen, ist viel mehr als…", ich ringe nach Worten. Die Dame glaubt wohl, dass es mir schwer fällt über unsere Arbeit zu sprechen und pickst mich an: „Dann erzählen Sie uns doch, was war in den 25 Jahren ihr schönstes Projekt?"

Ich hole tief Luft, aber über 200 Stücke und Inszenierungen gegeneinander abzuwägen erscheint mir jetzt doch ein bisschen zu schwer… Da helfe ich doch lieber Aschenputtel beim Erbsen auszählen… "Kulturwerkstatt ist mehr …!"

Ach welche Not! Und dann der rettende Gedanke! Ich nehme ihr den Stachel aus der Hand, piekse zurück und lege das Ende ihres rosa Schals vor mich auf den Tisch.

Kurz Luft geholt, gespannte Stille. Wie ein Arzt stelle ich ihr ein Rezept auf ihrem Schal aus: „Einmal Jubiläumsbuch lesen und mindestens einmal im Monat in die Kulturwerkstatt zum Theaterbesuch kommen, mindestens dreimal im Jahr Thekendienst helfen." Das müsste reichen, um zu verstehen, was Kulturwerkstatt ausmacht!

 

Danke an Alle

Auf die nächsten 25 Jahre

 

Euer Thomas

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